Für die Französischkurse der 9. Jahrgangsstufe ging es am 04.05. für knapp fünf Tage nach Paris. Die Fahrt diente als Ersatz für den eigentlich geplanten Schüleraustausch nach Rochefort, der dieses Jahr leider nicht stattfinden konnte.
Am Montagmorgen war es dann so weit: Unsere lang ersehnte Kursfahrt sollte endlich beginnen. Zwischen letzten Passkontrollen und dem Vergleich der eigenen Gepäckstücke mit denen der anderen war die Stimmung gleichzeitig aufgeregt und angespannt, da alle darauf warteten, die besten Plätze im Doppeldeckerbus zu besetzen. Die Euphorie sollte jedoch bald sinken, als wir mitgeteilt bekamen, dass wir ganze sieben Stunden unterwegs sein würden. Dennoch machten wir mit Musik und Snacks während der Fahrt sowie Besuchen bei McDonald’s und Starbucks in den Pausen das Beste aus dieser langen Reise.
Im Hotel angekommen, wurden wir zunächst vom Hotelpersonal auf Französisch über die Regeln informiert, die wir dank unserer perfekten Französischkenntnisse natürlich lückenlos verstanden. Nach dem Beziehen der Zimmer folgte ein Spaziergang zur Place de la Nation, wo wir uns gemeinsam versammelten und anschließend in kleinen Gruppen ein paar freie Abendstunden in Paris verbringen durften. Dabei bekamen wir zum ersten Mal echte Pariser Luft zum Atmen.
Während am nächsten Morgen einige noch im Bett lagen, drehte Frau Steindor mit interessierten Schülerinnen und Schülern eine kurze Laufrunde durch die Pariser Morgenluft. Nach dem zeitigen Frühstück um halb sieben ging es mit der Metro auch schon zu unserer Stadtführung. Wir spazierten an der Seine entlang, sahen verschiedene historische Bauwerke, lernten dank unserer unterhaltsamen Führung viel über die Stadtgeschichte und hatten schließlich die Möglichkeit, die Notre-Dame zu bewundern. Obwohl das Wetter neblig und regnerisch war, gelang es einigen von uns, zum ersten Mal den Eiffelturm zu sichten – zumindest seine Spitze.

Während viele in der Mittagspause französisches Essen wie Crêpes oder Croque Madame (ein französisches Gericht aus Brot, viel Käse und Spiegelei) probierten, zogen viele eher Pariser Standorte von diversen internationalen fast food-Ketten vor. Unser Weg führte zudem an vielen kleinen Boulangerien vorbei, in denen knusprige Baguettes und fantastische, saftige Croissants zu finden waren. Außerdem fanden wir heraus, dass ein Thunfisch-Sandwich in Frankreich denselben Namen trägt wie unser Lehrer Herr Thon. Eine Information, die in den nächsten Tagen noch oft und mit großer Begeisterung gegen ihn verwendet wurde. In der restlichen Mittagspause erkundeten wir weiter die Stadt oder ruhten uns im Jardin du Luxembourg aus.

Nach einem eindrucksvollen Vormittag machten wir uns auf den Weg zur Basilique du Sacré-Cœur, jedoch spielte das Wetter weiterhin nicht mit. Bei Wind, Regen und Nebel erklommen wir die vielen Stufen, und die Aussicht war – nun ja – leider ebenfalls nebelig. Dadurch bekamen wir auch den Eiffelturm nicht in voller Pracht zu sehen. Das sollte sich jedoch später in der Woche ändern, da wir sogar die Möglichkeit bekommen würden, ihn zu besteigen.

Nach einem leckeren Hotelfrühstück mit Crêpes und Croissants machten wir uns am nächsten Morgen mit dem Bus auf den Weg nach Versailles. Nach einer kurzen Fahrt kamen wir am prachtvoll goldverzierten Schloss an. Wir waren erstaunt über die beeindruckende Architektur und die prachtvollen Zimmer, in denen einst Ludwig XIV., der Sonnenkönig, lebte. Das Schloss sah aus, als wäre es direkt einem Märchen entsprungen: prunkvolle Decken, schwere Vorhänge, edle Möbel und riesige Gemälde.
Nach dem Rundgang machten wir uns wieder auf den Weg in die Pariser Innenstadt und fuhren an der Place de la Concorde vorbei, wo wir nun am dritten Tag endlich den ganzen Eiffelturm sahen. Nach der Mittagspause machten wir uns auf den Weg, das Musée d’Orsay zu besuchen, das ursprünglich ein Bahnhof war. Durch Aufgaben wie Foto-Challenges oder Standbilder war der Museumsbesuch überraschend spaßig und wir konnten uns kreativ austoben.
Unsere Freizeit am Abend verbrachten wir in einem großen Einkaufszentrum in der Nähe, wo wir gemütlich shoppen und etwas essen konnten. Die Stimmung war voller Euphorie, da am späteren Abend der FC Bayern gegen Paris Saint-Germain spielte, worauf viele Fußballfans in unserer Runde patriotisch und gespannt warteten.
Am Donnerstag war die Laune gut. Alle freuten sich auf den Louvre und die spätere Besichtigung des Eiffelturms. Allerdings herrschte unter manchen Bayern-Fans etwas Murren und schlechte Stimmung. Nach einem weiteren Hotelfrühstück mit Croissants und Crêpes machten wir uns mit der Metro auf den Weg zum Louvre. Die Metro war voll, doch es gelang uns, uns mit hineinzuzwängen. Das dachten wir jedenfalls, bis die Türen anfingen zu schließen und wir plötzlich zwei Schülerinnen auf dem Bahnsteig sahen, die definitiv Teil unserer Gruppe waren. Obwohl Frau Steindor mit den Reflexen einer Actionfilmheldin versuchte, sich mit ihrem Arm in die sich schließende Tür zu werfen, fuhr die Bahn leider trotzdem ohne die beiden ab. Etwas später kamen wir dann mit den beiden Nachzüglerinnen im Louvre an und machten uns in kleinen Gruppen gleich daran zu überlegen, welche berühmten Meisterwerke wir uns anschauen würden. Gespannt darauf, endlich die Mona Lisa und Napoleons Gemächer zu sehen, fuhren wir mit unserer kleinen Gruppe die Rolltreppe zum ersten Flügel des Louvre hoch – nur um festzustellen, dass schon wieder jemand fehlte. Die betreffende Person war vor der Rolltreppe zur Seite genommen worden, da die maximale Personenzahl in diesem Bereich des Louvre erreicht war. Also stand sie nun winkend hinter einer Absperrung und wartete auf ihre Befreiung. Nachdem wir auch diese Angelegenheit geregelt hatten, konnten wir die Mona Lisa endlich einmal mit unseren eigenen Augen sehen. Doch es blieb nicht bei diesem berühmten Meisterwerk. Im Verlauf unseres Rundgangs bekamen wir Statuen von Michelangelo, berühmte Gemälde von Napoleon und ein Dutzend weiterer Kunstwerke zu sehen.

Nach dem Aufenthalt im Louvre hatten wir wieder einmal ein paar Stunden Freizeit in Paris, die wir für Shopping, KFC und stark überteuerte Desserts in Fruchtform nutzten. Schließlich trafen wir uns wieder, um gemeinsam den Eiffelturm zu erklimmen. Obwohl wir während der 674 Stufen mehrfach an unserer Existenz zweifelten, war es das definitiv wert, als wir oben eine spektakuläre Aussicht über ganz Paris hatten.
Unser Tag endete mit einer Bootstour auf der Seine bei Sonnenuntergang.
Während dieser Fahrt entwickelte sich außerdem eine ganz außergewöhnliche Form der Kontaktaufnahme zu Fremden: Den Leuten am Ufer, an denen wir vorbeifuhren, riefen wir „67“ zu, was erstaunlich oft erwidert wurde. Nach kurzer Zeit bestand unsere gesamte Kommunikation nur noch aus enthusiastischem Auf-und-ab-Winken und gegenseitigem Zurufen. Es war ein sehr schöner Ausklang dieses eindrucksvollen letzten Tages.

Am Freitagmorgen stand die Rückfahrt an. Nach einem letzten, schmerzhaft frühen Hotelfrühstück machten wir uns halb verschlafen und etwas melancholisch auf den Heimweg. Vor allem die Schülerinnen und Schüler, die sich „Paris schläft nie“ für die letzten Tage zum Lebensmotto gemacht hatten.
Wir verließen die Stadt mit vielen Erinnerungen im Gepäck und dem Gefühl, dass die Tage in Paris viel zu schnell vergangen waren. Ein besonderer Dank gilt unseren Lehrkräften Frau Noblanc, Frau Kedzierski, Frau Steindor, Frau Adamczak und Herrn Thon, die diese Reise begleitet und organisiert haben und selbst die chaotischsten Momente mit uns überstanden haben – auch wenn dabei manchmal einiges an Geduld nötig war.
Abschließend wollen wir festhalten, dass unser Französisch zwar manchmal eher kreativ als fehlerfrei war, wir uns aber deutlich häufiger getraut haben, Französisch zu sprechen. (Mila Peter, 9a)

